2026 war ein wichtiges Jahr für die Wärmewende an Nord- und Ostsee: Sowohl im dänischen Esbjerg als auch im schleswig-holsteinischen Neustadt/Holstein gingen große Meerwasser‑Wärmepumpen in Betrieb. Beide Anlagen beweisen, dass sich die Wärme aus dem Meer zuverlässig und klimafreundlich nutzen lässt. Für eine Küstengemeinde wie Laboe ist das ein starkes Signal.
Esbjerg: Wärme direkt aus der Nordsee
In Esbjerg wurde eine der größten Meerwasserwärmepumpen der Welt gestartet. Sie ersetzt ein altes Kohlekraftwerk und versorgt rund 25.000 Haushalte mit klimaneutraler Fernwärme, da der Strom zum Betrieb der Wärmepumpe aus Windenergie-Anlagen stammt.
Die wichtigsten Fakten:

- Leistung: 70 Megawatt
- Wärmequelle: Nordseewasser mit 1–15 °C
- Vorlauftemperatur: bis zu 90 °C
- CO₂‑Einsparung: rund 120.000 Tonnen pro Jahr
- Strom: aus nahegelegenen Windparks
- Weitere Wärmequellen: Holzschnitzel-Kraftwerk (Leistung 48 MW) und Wärmespeicher
Die Anlage zeigt, wie moderne Technik Kohle oder Gas fürs Heizen ersetzen kann. Besonders wichtig: Die hohen Vorlauftemperaturen ermöglichen es, auch ältere Gebäude problemlos an das Fernwärmenetz anzuschließen und im Winter warm zu bekommen.
Neustadt/Holstein: Wärme direkt aus der Ostsee
Auch in Deutschland gibt es nun ein funktionierendes Vorbild: In Neustadt/Holstein wurde Anfang 2026 die erste Meerwasser‑Großwärmepumpe mit deutscher Technik in ein größeres Wärmenetz mit mehreren hundert Wohneinheiten eingebunden. Es versorgt das neue Hafenquartier von Neustadt.

Die wichtigsten Fakten:
- Heizleistung der Wärmepumpe: bis zu 700 kW
- Gesamtleistung im Quartier: 2.000 kW
- Vorlauftemperatur: bis zu 72 °C
- Effizienz: aus 1 kW Strom entstehen über 3 kW Wärme
- Weitere Wärmequelle: Abwärme aus Müllheizkraftwerk und Wärmespeicher
Die Anlage entzieht bis zu vier Grad kaltem Ostseewasser Wärme und hebt sie auf ein nutzbares Temperaturniveau. Die Stadtwerke berichten regelmäßig über ihre Erfahrungen – ein wertvoller Wissensschatz für andere Kommunen.
Was bedeutet das für Laboe?
Laboe liegt direkt an der Ostsee und hat damit genau so ideale Voraussetzungen für eine eigene Meerwasser‑Großwärmepumpe wie in Esbjerg und Neustadt. Diese beiden neuen Anlagen liefern dafür klare Hinweise:
- Die Technik funktioniert zuverlässig. Sowohl im großen Maßstab (Esbjerg) als auch in kleineren Quartieren (Neustadt).
- Hohe Vorlauftemperaturen sind erreichbar. Damit können auch Bestandsgebäude angeschlossen werden – ein wichtiger Punkt für hohe Anschlussquoten auch mit alten Gebäuden.
- Die Klimabilanz ist überzeugend. Die Einsparungen in Esbjerg zeigen, wie stark eine solche Anlage zur kommunalen Klimastrategie beitragen kann.
- Regionale Vorbilder erleichtern die Planung. Neustadt liegt quasi „vor der Haustür“ und zeigt, wie es gehen kann.
Ausblick
Die Beispiele aus Dänemark und Deutschland beweisen es: Meerwasserwärmepumpen sind keine Zukunftsvision mehr, sondern eine praxiserprobte Technik. Damit eröffnet sich für Laboe die Chance, frühzeitig auf eine klimafreundliche, stabile und lokal verfügbare Wärmequelle umzusteigen. Ob eine Meerwasserwärmepumpe tatsächlich die technisch und wirtschaftlich beste Lösung für Laboe darstellt, muss in Studien untersucht werden. Die Ostsee bietet das Potenzial – jetzt gilt es, die Nutzbarkeit zu prüfen.
